Reisebericht zur Ukraine bei der SPD-Lorch

Veröffentlicht am 26.11.2017 in Aktuelles

Das Motto der letzten Maidan-Revolution

Einblicke in ein widersprüchliches Land

Zahlreiche interessierte Besucher fanden in Lorch den Weg zum Lichtbildervortrag beim SPD-Ortsverein. Der stellvertr. SPD-Ortsvereinsvorsitzenden Rolf Voigt berichtete über seine kürzliche Reise nach Kiew und Odessa.

Am Beginn standen einige Grunddaten zur Ukraine. Es ist nach Moldawien das ärmste, gleichzeitig das flächenmäßig größte Land innerhalb Europas. Beeindruckend zeigten die Bilder vom heutigen Maidan-Platz das Nebeneinander von Arm und Reich. Hier die Schlange der zur Armenspeisung anstehenden Menschen, dort das Luxuskaufhaus mit allen Weltmarken. Und dies alles unter der in riesigem Format über dem Maidan prangenden Parole „Freedom is our Religion!“.

Verschiedene Bilder zeigten immer wieder Plätze und Gebäude, die mit der ukrainischen und der Europafahne beflaggt sind. Sehr demonstrativ wird damit öffentlich der Wille bekundet, zur EU zu gehören.

 

 

Beim Besuch des Landsitzes des ehemaligen Präsidenten Janukowitsch wurde die Verschwendung deutlich, die dort betrieben wurde. Die vergoldeten Armarturen im Badezimmer stehen als Symbol dafür. Aber was auch zu sehen, war: Der zum Landsitz gehörende Golfplatz ist auch heute noch im Betrieb. Und der heutige Präsident Poroschenko, der seit langem sowohl als Oligarch als auch als Politiker in der Ukraine aktiv ist (war auch mal Wirtschaftsminister unter seinem Vorgänger) taucht mit seinen Briefkastenfirmen in den Panama-Papers auf.

Auf Litfaßsäulen wird für die „Antikorruptions-Kampagne“ öffentlich geworben. Aber die Menschen haben wenig Hoffnung, dass dieses Problem auf absehbare Zeit gelöst wird. Der durchschnittliche Verdienst liegt bei 250 €, so dass eine große Wanderungsbewegung im Gange ist. Seit der Staatsgründung 1991 hat das Land rund 15 Mill. Einwohner verloren.

Schockierend waren teilweise die Bilder vom Besuch des Tschernobyl-Museums im Norden Kiews. Besonders die Einfachheit der Mittel, mit der bei der Bewältigung des Unglücks vorgegangen wurde zeigen, dass niemand wirklich darauf vorbereitet war. Aber auch Bilder von Mutationen von Lebewesen im Sperrgebiet waren beeindruckend. Noch schockierender dann aber der heutige Umgang mit der Kernkraft im Land. Mit 56 % Anteil an der Stromversorgung aus inzwischen veralteten Reaktoren aus der Sowjetzeit setzt die Ukraine unverändert auf Atomkraft und ist dabei für die Lieferung von Brennstäben und die Wiederaufarbeitung auf Russland angewiesen. Die Entsorgungsfrage ist völlig ungeklärt und wird wohl teilweise „pragmatisch“ im bereits verstrahlten Sperrgebiet von Tschernobyl erledigt.

Die zahlreichen Kirchen, so zeigten die Bilder, werden sehr gut frequentiert. Aber auch diverse Sekten finden offenbar guten Zulauf und zeigen sich im öffentlichen Straßenbild. Darin wird auch ein Bedürfnis nach Orientierung in unsicheren Zeiten des Umbruchs sichtbar.

Am Ende waren die Besucher des Vortrags äußerst nachdenklich und besorgt, wie auch die anschließende Diskussion zeigte